distelsamen12

Margret Hölle: Distelsamen

Artikelnummer:112
Gedichte, 1999, Broschur, 96 S., 10,20 Euro, ISBN 3-929517-33-7

,,Distelsamen" zeigt, dass die bekannte Lyrikerin Margret Hölle nicht nur eine außergewöhnliche mundartliche Begabung hat, sondern auch in ihren schriftdeutschen Gedichten große lyrische Kraft beweist.
10,20 €

Beschreibung

Die gebürtige Oberpfälzerin, seit vielen Jahren in München lebende Autorin ist vor allem mit ihren Mundartgedichten bekannt geworden. Hier legt sie ihre parallel zu den Mundartgedichten entstandenen schriftdeutschen Gedichte vor. ,,Distelsamen" zeigt, daß Margret Hölle nicht nur eine außergewöhnliche mundartliche Begabung hat, sondern auch in ihren schriftdeutschen Gedichten große lyrische Kraft beweist.

„Margret Hölle ist eine bayerische Dichterin, die in ihren oberpfälzer Dialektgedichten höchste künstlerische Maßstäbe setzt. Auch die magisch poetischen Bilder ihrer schriftdeutschen Lyrik lassen aufhorchen, denn es gelingt ihr immer wieder, tiefgründige Einfachheit nahe dem Volkslied oder dem Kinderreim zu erreichen, ohne den Abgrund hinter der Idylle zu verleugnen." (Aus der Begründung zur Verleihung des Friedrich-Baur-Preises für Literatur)

 

Margret Hölle, geboren 1927 in Neumarkt/Oberpfalz. Kaufmännische Lehre, Schauspielexamen an der Deutschen Schauspielschule in München, Tourneetheatertätigkeit, Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk. Lebt in München.

1990 Kulturpreis der Stadt Neumarkt; 1996 Friedrich-Baur-Preis für Literatur der Bayerischen Akademie der Schönen Künste; 2003 Bayerischer Poetentaler, 2004 Kulturpreis der Oberpfalz.

Im lichtung verlag erschienen außerdem: Zeit aaffanga (2005), Blöiht a Dornbusch (1997) und Oberpfälzer Psalm (Hörbuch, 2001).


Frei in der Luft
 
Die feinen Wörter
die seidenen
gehen mir aus dem Weg
 
Die barfüßigen
aus Erdfurchen
Steinfeldern
Schlehdorn- und Ginstergebüsch
 
Die aus den Wurzelnestern
unterm Harzleib der Föhre
 
Sie ritzen mir die Haut
reiben Gewürz ins Blut
füllen Auge und Ohr
 
Bis der Kiesel springt
zwischen Wasser und Himmel
frei in der Luft
 
 
Unter dem Baum liegend
 
Früheste Kindheit
Lichttupfer huschen
schaukeln auf den Zweigen
Mücken flimmern in der harzigen Luft
 
Die Sonne bricht wie ein Feuerbündel
durch die Krone
jede Nadelspitze blitzt
 
Geblendet schließe ich die Augen
hinter den Lidern
tanzt und kreist das Licht
 
Durch einen schmalen Augenschlitz
blinzle ich zum Wipfel
über mir
gleißt goldentflammt der Baum
 
Seine Krone wiegt mein Nest
sein Wurzelherz schlägt
in allen Bäumen der Erde
 
 
Oberpfälzer Psalm
 
Wipfelknarrendes Wälderland
finsteres
Rauhes Hügelland buckliges
Windgefegtes Steinfeldland
Burgenland sagenwisperndes
 
Wacholder-Schlehen-Beerenland
distelsilbriges
Sirrend summendes
dunkeläugiges Weiherland
 
Schwarzflügel-schwingendes
Krähenland kreischendes
Erdäpfel-Nebelland abergläubisches
Kienspan-harziges Rauchfeuerland
 
Wundnarbiges Grenzland
Dienstbotenland geschundenes
Erbärmliches Hungerland
Dulderland wurzelzähes
 
Wallfahrendes Litaneiland bußfertiges
Tanzboden-Zwiefacher-Musikanten-
land übermütiges
Rauflustiges Wirtshausland
 
Erdtreues herzfunkelndes
uraltes Sprachland
oberpfälzisches
 
 
Bretagne
 
Setz deine Flügel
in dieses Land
hier kannst du bleiben
im Dickicht schlafen
Inseln quellgetränkt
und dunkles Grün
wächst dir die Wimpern zu
 
Verbleibe hier
zieh alle Boote ein
verbrenn die Ruder
schweig mit den Sternenaugen
und dem Mond
Glück ist nicht sagbar
 
 
Der Silberne Fisch
(Georg Britting zum Gedächtnis)
 
Unter der Steinernen Brücke
schwimmt er
der Silberne Fisch
 
Der ihm
den Namen gab
war ein Dichter
 
Wenn ein Wein-Trunkener
im Mondlicht
über die Brücke schaut
 
Zuckt er
einen Augenblick
geblendet zusammen
 
Schnaubend
teilt der Fisch die Flut
zeigt silbertriefend
des Menschen Urgesicht
 
 
Hinterglasbild aus Glonn
(Zum Andenken an Lena Christ)
 
Im blauen Himmel
Wolken
auf einer sitzt hellzopfig
das lachende Kind
 
Der Großvater
pflückt Äpfel vom Baum
blutrot
 
Fern
über Zwiebeltürmen
dunkelt drohend ein Aug
mondsichelscharf
 
 
Distelsamen
 
Sie gehen auf
mitten in der
späten Jahreszeit
 
Ein Leuchten
golden
ohne Dorn

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