„Mit meinen Bildern versuche ich, die Spuren der Zeit zu konservieren“, sagt Martin Waldbauer über seine Arbeit. Seine Aufnahmen halten Gesichter des Bayerischen Waldes fest: Portraits junger Menschen genauso wie Alte. Zerfurchte Gesichter mit eindringlichen Blicken, Hände voller Schwielen. Landschaften, die vergehen, Straßen ohne Markierungen. Masten, die in ein Nichts verweisen. Neblige Wälder, karge Dörfer. Welkende Blumen.
Was Martin Waldbauer fotografiert, ist nicht einfach eine Kopie der Wirklichkeit. Einen wesentlichen Anteil an seiner Kunst hat das Entwicklungsverfahren der Schwarz-Weiß-Fotografien. Denn dabei entstehen Schleier auf den Bildern und Risse, die zusätzliche Ebenen und diffuse Zwischenwelten erschaffen. Und es bilden sich neue Farbschichten in Brauntönen und damit eigene Stimmungen; die Bilder wirken drängend, oft düster und unheilschwanger, wie aus anderen Zeiten.
Waldbauers Art zu fotografieren und zu entwickeln ist in ihrem Aufwand einzigartig. Die Bilder entstehen analog mit alten Mittel- und Großformatkameras bei einer Negativgröße von bis zu 20 × 25 Zentimetern. Neben der Wahl der Motive ist die Interpretation der Negative in der eigenen Dunkelkammer ein essentieller Bestandteil seines Schaffens. Die Lithprints sind mehrfach getonte Silbergelatineabzüge zum Teil auf Barytpapieren, die bereits 40 bis 60 Jahre alt sind. In der konventionellen Fotografie können diese Papiere heute nicht mehr eingesetzt werden, Waldbauer hat Restbestände aufgekauft. Durch dieses aufwendige Verfahren und das Material sind die Bilder kostbare Unikate.
Die Publikation will die Ästhetik der Werke abbilden, und zwar so nah es geht am Original. Die Fotografien fordern eine reduzierte, moderne Gestaltung und die beste Wahl an Papieren und Drucktechniken. Adäquat zur edlen Ausstattung hat das Buch einen Leineneinband mit Prägung und Schutzumschlag. In einem Vorwort ordnet Dr. Stefanie Baumann die Arbeiten ein. Texte der Lyrikerin Nora Gomringer setzen einen zusätzlichen künstlerischen Akzent.
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