fritsch_das_sind_die_gewitter_in_der_natur

Fritsch: Das sind die Gewitter in der Natur

Artikelnummer:164
Filmbuch und Essay „Wenzel und das Filmspielen",
2004, 29 Schwarzweißfotos, 80 S., 10,20 Euro,
ISBN 3-929517-65-5

Werner Fritsch, einer der bekanntesten deutschen Theaterautoren, veröffentlicht hier ein Filmbuch, dass sich in Fotos und Texten ganz der Hauptfigur seinen Films und seinen frühen Erzählens überhaupt widmet: dem Knecht Wenzel Heindl.
10,20 €

Beschreibung

„Ich bin mit Wenzel Heindl aufgewachsen. Er war Knecht auf dem Hof meiner Eltern, seit Allerheiligen 1945. Zeitlebens hörte ich seine Geschichten. So lernte ich von ihm sprechen und vor allem erzählen." (Werner Fritsch, Wenzel und das Filmspielen)


Werner Fritsch,
1960 in Waldsassen (Oberpfalz) geboren. 1987 erscheint sein vielbeachteter Roman Cherubim. Seither zahlreiche Veröffentlichungen von Prosa, Dramatik, Hörspielen und Filmen, die Fritsch zum Teil selber auf der Bühne, für den Rundfunk oder fürs Kino realisiert hat.

Seine Arbeiten wurden u.a. mit dem Robert-Walser-Preis (1987), dem Preis des Landes Kärnten (1987), dem Hörspielpreis der Kriegsblinden (1993), dem Bayerischen Staatsförderpreis für Literatur (1996) und dem Else-Lasker-Schüler-Preis (1997) ausgezeichnet. Der Autor lebt in Berlin und in der Hendelmühle (Oberpfalz).


An der Bauruine Sibyllenbad, die allgemach von der Natur zurückerobert wird.
Durch eine Sintflut geht sie unter. Die Welt.
Und auch so geht die Welt unter.
Wird ganz die Erde. Und alles wird zu lauter Sand.
Zu lauter Wüsten. Zu lauter Mehl.
Und das fangts Rutschen an.
Und geht dir unter und ins Wasser hinein.
Das ist der Weltuntergang.
 
Kamerafahrt entlang einer Eichenallee. Die Wondreb in der Mitte. Im Hintergrund die Basilika von Waldsassen und die sinkende Sonnenkugel.


Da sind die Menschen erschaffen worden. Und die Welt.
Das ist alles lauter Wasser gewesen. Da sind bloß so kleine Erdteil gewesen. Und von den Erdteilen haben sie das Wasser auch weggetan.
Die Heiligen. Und haben halt weitergearbeitet.
Wo sie steckengeblieben sind, weil sie nicht weiterarbeiten haben können. Da haben sie Pfähl hineingeschlagen. Daß der Boden nicht wegschwimmt. Ich hab die Pfähl sogar gesehen.
Und wie sie baut worden ist, hat mein alter Urgroßvater mit geholfen dazu.
 
In der Basilika von Waldsassen. Vor einem Seitenaltar.
In Brokat gekleidete Totengerippe hinter Glasschreinen.

Hier in der Kirche bin ich zur Kommunion gekommen.
Zur Firmung gekommen. Und da sind überall früher. Vor ein paar tausend Jahren, wie sie das Kloster so gebaut gehabt haben. Sind die Römer gekommen. Haben die Heiligen all umgebracht. Da hinunter in die Gruft sind die Heiligen begraben worden. Und sind da noch sehr viele Geliebte da oder Gerippe?
Gelübde da.
Haben sie sich versteckt drunten. Dann haben sie sie überall verfolgt. Und heroben überall. Wo sie sie haben haben können, haben sie die Toten überall. Die Heiligen all umgebracht.
 
Aufschwenk ins Astgewirr einer winterkalten Eiche.
 
Mein Vater stammt von Hundsbach ab.
Und da haben sie ein kleines Anwesen gehabt, wo er raus ist. Aber die sind wieder weitschichtig gewesen. Das kann in Asch auch gewesen sein. Und da ist ein alter Vater gewesen. Der war früher einmal auf der Regierung.
Die andere Generation schon. Das hat der durchgesetzt, daß es erlaubt worden ist. Was ich gehört hab allemal. Ich weiß auch nicht. Oder weiß ichs?
Daß das Volk nicht ausstirbt. Daß sie Kinder erzeugen dürfen. Das ist da nicht erlaubt gewesen. Hat er gesagt gehabt, er geht jetzt. Und ist gegangen und ist nimmer kommen.
 

An der Grenze zu Tschechien in Hundsbach.
Mein, was will man auch machen in so einer Gegend. Gegen so ein Reich? Weiß ich auch wieder nicht, was dasselbe für eine Gegend war? Ist auch eine ganz verdrehte Gegend: Böhmen. Gegen das Wasser. Gegen das Meer, darf man sagen. Dort läuft doch das Meerwasser hinaus oder hinein, was es läuft. Die sind doch direkt am Ufer gegen das Meer.
Meine Mutter ist in Österreich geboren.
Und da ist ein Onkel drinnen gewesen und eine Tante. Und da sind wir allemal da hin- und widergegangen in der Grenze. Da haben wir gepascht manchmal. In der Bahn haben wir nicht soviel paschen können. Aber da ist es erlaubt gewesen. In der Straß.
Da bin ich bei meiner Urmutter gewesen. Und da ist noch ein Bruder gewesen in Schwarzenstein. Und der hat dann Drehorgel allemal gespielt. Wenn ich hingekommen bin zu ihm. Das hat mir allemal gefallen. Da bin ich umeinandergesprungen und gesungen alles mögliche.
Und dann hat er gesagt allemal zu mir, Geh nur nicht zu weit hinaus in den Wald. Sonst könntst ins Kohlenbergwerk stürzen. Da ist das Kohlenbergwerk in der Nähe gewesen.
Dann sind wir allemal wieder zu der Urmutter gefahren. Bei der Urmutter sind wir einmal auf Besuch gewesen. Dann sind so Burschen, so Kameraden auch gekommen zu mir. Wo verwandt waren. Da haben wir einen so einen Barren aufgestellt gehabt. Oder Reck, wie man sagt. Da hab ich turnt dran. Auf einmal bin ich hinuntergefallen. Haben sie mir wieder den Arsch ausgehaut. Haben sie mich wieder hinein.
Später bin ich wieder einmal hinausgegangen. In ein paar Jahren oder was. Bin ich aufs gehackte Holz hinaufgestiegen, bin ich mit dem Holzstoß umgefallen. Haben sie mich wieder hinein. Haben mich wieder geschlagen. Hat die Urmutter gesagt, Du folgst allerding nicht. Du stellst fort allerhand an!
 
Bilder aus Böhmen.
Wie vierzehn der Krieg ausgebrochen ist.
Dann sind wir ja fort von heraußen. War ich in Elbogen in der Burg. Bin ich in der Burg gelegen, wie der Krieg ausgebrochen ist. Wie die Soldaten eingerückt sind. Weil sie geschrien haben grad an. Sind durch die Stadt gezogen. Haben sie gesagt, Die kommen, stechen uns die Augen ausher. Alles mögliche. Haben wir Angst gehabt grad an. Wenn ich was gehört hab, hab ich das Schreien angefangen. Ich hab mich auf den Teppich hingelegt. Die andern sind auf den Tischen oder wo gesessen. Ich bin auf dem Teppich gelegen, hab mich gefürchtet. Aber ich hab halt geschlafen. Hab eingeschlafen vor Angst.
Jetzt ist es die russische Grenze worden. Sind lauter Russen drüben. Die russischen Amerikaner. Man kanns nicht sagen.
 
Am Fluß Wondreb.
Die Wondreb, die läuft nach Hofteich, Steinmühle, auf die Wehre zu. Und von den Wehren aus, da läufts nach Wald-sassen. Von Waldsassen aus läufts nach Schloppenhof und Egerteich. Schloppenhof, Schönlind und nach Eger. Da fließts hinunter. Fließen hätt ich sagen sollen. Ich hab gesagt, Laufen.
Da ist ein Mann durchgegangen in das Dorf. Und da war ein Irrlicht und das Irrlicht hat ihm so geleuchtet. Daß er auf das Irrlicht zugegangen ist und hat gemeint gehabt, er ist daheim. Und ist in die Wondreb hineingegangen und ist ertrunken.
Das mit Stöcken ist wieder anders. Die haben eine weiße Rinde. Die leuchten in der Nacht.
Es gibt schon andres Zeug auch noch. Daß du denkst, Gibts nichts und gehst auf einmal im Wald. Und kommt ein Reh mit zwei Haxen daher und mordsgroßen Hörnern. Und springt besser wie ein andres und läuft besser.

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